Die Psychologie der Jobsuche

There are seven major decisions people have to make to change jobs. The first step—considering a change—is the hardest by far the hardest.

Die kürzlich veröffentlichte Indeed Studie zur MitarbeiterrekrutierungWas Kandidaten heute wichtig ist“ gibt Einblicke in das Suchverhalten von Kandidaten in Zeiten des Fachkräftemangels. Die Untersuchung zeigt, dass 71 % aller Arbeitnehmer entweder aktiv nach neuen Karrieremöglichkeiten Ausschau halten oder diesen zumindest aufgeschlossen gegenüberstehen. Für Arbeitgeber ergeben sich hieraus zwei interessante Erkenntnisse: Zum einen sind sogenannte „passive“ Kandidaten – also jene, die sich nicht aktiv um einen neuen Job bemühen – sehr selten. Zum anderen steht Unternehmen ein wesentlich größerer Talentpool zur Verfügung, als gemeinhin angenommen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Arbeitnehmer suchen viel häufiger nach neuen Karrieremöglichkeiten, als angenommen. So machen sich etwa 65 % aller frisch eingestellten Arbeitnehmer bereits in den ersten drei Monaten nach Stellenantritt schon wieder auf die Suche nach einem neuen Job. In den höheren Einkommensklassen ab 100.000 Euro Jahreseinkommen schaut sich in etwa jeder zweite Arbeitnehmer 28 Tage nach Stellenantritt erneut um.
Im Folgenden stellen wir die häufigsten Gründe für einen Jobwechsel aus Kandidatensicht zusammen und zeigen Ihnen, wie Sie diese Erkenntnisse für die gezielte Suche nach potenziellen Mitarbeitern einsetzen können.

Die Jobsuche aus Kandidatensicht: 7 wichtige Schritte im Entscheidungsprozess

In der Regel gestaltet sich der Karrierewechsel als eine Reihe von Abwägungen von Pro und Contras. Entsteht der Entschluss zu einem beruflichen Wechsel fest, folgt die gezielte Vorbereitung auf eine  Veränderung und, im letzten Schritt, die Umsetzung konkreter Maßnahmen.

Was hier vereinfacht dargestellt nach einem systematischen Abarbeiten von logischen Schritten klingt, ist in Wirklichkeit für die meisten Arbeitnehmer ein emotional aufreibender Prozess, der insgesamt sieben wichtige Meilensteine beinhaltet.

Im ersten Schritt muss ein Kandidat abwägen, ob er einer beruflichen Veränderung tatsächlich positiv gegenübersteht. Auf diese Entscheidung folgt die Auseinandersetzung mit einem Unternehmen als potentieller Arbeitgeber sowie die Erwägung konkreter Stellenangebote. Nach der anschließenden Überbmittlung von Lebenslauf und Anschreiben beginnt mit Einstellungsgesprächen, Gehaltsverhandlung und Vertragsunterzeichnung die heiße Phase des Bewerbungsprozesses.

Je weiter dieser Prozess voranrückt, desto größer ist das erforderliche Commitment. Dennoch: Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Somit haben sich die 71 % aller Arbeitnehmer, die sich aktiv nach neuen Karrieremöglichkeiten umsehen beziehungsweise einen Jobwechsel erwägen, die notwendige „psychologische Vorarbeit“ bereits geleistet.

Karrierefragen gehören zu den aufreibendsten aller Lebensentscheidungen

Karriereentscheidungen haben neben Fragen der Familenplanung und gesundheitlichen Veränderungen den größten Einfluss auf das persönliche Zufriedenheits- und Stressempfinden. Auf der Stressskala von Holmes und Rahe umfassen berufliche Veränderungen das gesamte Spektrum von Stress, beginnend bei der Umstellung von Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen bis hin zu Problemen mit dem Vorgesetzten. Zum Vergleich: Die Veränderung der beruflichen Verantwortlichkeiten beeinflusst das persönliche Wohlbefinden ähnlich stark wie der Auszug der erwachsenen Kinder aus dem Elternhaus. Als ähnlich stressig wird die berufliche Neuausrichtung empfunden, gefolgt von Pensionierung oder Entlassung. All diese Ereignisse zählen zu den potentiell traumatischsten Veränderungen im Leben jedes Kandidaten.

The Holmes and Rahe stress scale shows the majority of life events are ranked 0 (low stress) to 65 (high stress) on the scale. Career-related events span the entire spectrum of stress.

Erfahrene Rekruter stehen Arbeitnehmern in der Phase des beruflichen Wandels beratend zur Seite und zeigen die Chancen der bevorstehendenVeränderung auf. Denn der Stress, den die Erwägung eines neuen Jobs mit sich bringt, verleitet Kandidaten oftmals dazu, sich zu stark auf mögliche Risiken zu konzentrieren und dabei die Chancen, die der Jobwechsel bietet, zu übersehen und somit selbst lukrative Jobangebote abzulehnen:

„Beim Abwägen von Kosten und Nutzen einer bevorstehenden Entscheidung machen wir üblicherweise zwei Fehler. Zum einen überschätzen wir aufgrund negativer Voreingenommenheit die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns. Zum anderen neigen wir dazu, die möglichen Vorteile, die sich aus einer Veränderung ergeben können, zu unterschätzen, da wir uns diese nur unzureichend vorstellen können.“ —The Career Psychologist

Der Mensch fühlt sich wohler, wenn er wichtige Entscheidungen selber plant und trifft

Aus dem Alltag wissen wir: Die meisten von uns haben ein besseres Gefühl, eine größere Anschaffung durch eigene Recherchen zu treffen, anstatt auf Basis eines telefonischen Verkaufsgesprächs. Dieses Phänomen trifft auch bei der Jobsuche zu: 83 % aller Kandidaten halten es für wichtig, vor der Unterzeichnung eines Arbeitsvertrags weitere Jobangebote zu prüfen.  64 % denken, sie seien erfolgreicher in einem Job, um den sie sich selber aktiv bemüht haben, statt von einem Rekruter angesprochen worden zu sein.

Psychologische Faktoren, die die Art und Weise beeinflussen, wie Menschen Entscheidung treffen oder einen Jobwechsel angehen, tragen wesentlich zum Erfolg Ihrer Recruiting-Strategie bei. Weitere Einblicke in das Jobsuchverhalten von Kandidaten erhalten Sie in unserem kostenlosen eBook Indeed Studie zur Mitarbeiterrekrutierung: Was Bewerbern heute wichtig ist.

Indeed Studie zur Mitarbeiterrekrutierung: Was Kandidaten heute wichtig ist