Ausschlusskriterien für den Job: Rechtschreib- und Grammatikfehler schlimmer als fehlende Qualifikation

Job Interview with young male candidate in modern office. He is coming into interview room and handshake with mature businessman and african businesswoman.

Rechtschreib- und Grammatikfehler sind für die Personalbeauftragten im deutschen Mittelstand der wichtigste Grund einen Lebenslauf zurückzuweisen. Im Rahmen einer Umfrage von Indeed,  gaben 43 % der 501 befragten kleinen und mittleren Unternehmen an, dass fehlerhafte Lebensläufe ein No-Go seien. Auf den weiteren Plätzen folgen mit jeweils 38 % der Nennungen fehlende Berufserfahrung, zu viel geleistete Kurzarbeit sowie das Fehlen relevanter Qualifikationen als Ausschlusskriterien an. Lange oder wiederkehrende Lücken im Lebenslauf sind für 32 % ein Grund für eine Absage. 

Zu wenig Berufserfahrung ist ein Problem – zu viel aber auch

Interessanterweise gaben 16 % an, dass sie aufgefordert seien, einen Lebenslauf abzulehnen, wenn es zu viel Berufserfahrung gäbe: dies deute darauf hin, dass der Bewerber überqualifiziert sei. Dabei liegt der Prozentsatz bei größeren Unternehmen (200 – 249 Mitarbeiter) mit 21 % mehr als doppelt so hoch wie in Unternehmen mit 50 bis 99 Mitarbeitern (9 %).

Insgesamt legt die Mehrheit der Befragten (59 %) bei Bewerbern mehr Wert auf Berufserfahrung als auf Bildung.  Vergleichsweise etwas mehr als 27 % gaben an, dass sie einen stärkeren Schwerpunkt auf Bildungsabschlüsse legen, während 14 % zugaben, dass sie beide Faktoren berücksichtigen.

Frank Hensgens, Geschäftsführer bei Indeed DACH, ergänzt: „Im deutschen Mittelstand wird großen Wert auf Formalitäten gelegt. 20 % der Befragten sagten, dass es sie stören würden, wenn ein Kandidat zu spät zum Vorstellungsgespräch komme. Fast gleichauf damit liegen 17 % der Bewerber, die Lebensläufe mit unrealistischen Informationen einreichen. Je 8 % der Studienteilnehmer gaben an, dass sie sich von nicht ausreichender Berufserfahrung beziehungsweise unangemessener Kleidung gestört fühlten.“

Regionale Unterschiede bei Gewichtung der Berufserfahrung

Innerhalb des Themas Berufserfahrung gibt es noch starke Unterschiede bezüglich der Art der zu besetzenden Position und der Region. 30 % der Befragten aus den Bereichen IT und Telekommunikation legt mehr Wert auf Bildung als auf Berufserfahrung, verglichen mit 19 % der Befragten aus Fertigungs- und Versorgungsunternehmen. Besonders hoch steht das Thema Berufserfahrung bei Mittelständlern in Baden-Württemberg im Kurs: 64 % der Befragten – verglichen mit 53 % der Befragten in Nordrhein-Westfalen – legen hier mehr Wert auf Berufserfahrung als auf Bildung.

36 % der Befragten gaben an, dass Faktoren wie Bauchgefühl ihre Entscheidung, einen Kandidaten einzustellen, beeinflussen. Ein interessantes Argument findet sich am Ende der Skala: Immerhin noch 9 % gaben an, dass niedrige Gehaltsvorstellungen ihre Entscheidung, einen Kandidaten einzustellen am meisten beeinflussen.

Bewerbungsgespräch bleibt wichtiges Bestandteil der Entscheidung

„Auch in Zeiten der Digitalisierung liefert das traditionelle Bewerbungsgespräch den wichtigsten Beitrag zur Entscheidungsfindung für oder gegen einen Kandidaten. Mehr als die Hälfte (56 %) der Befragten gaben an, dass der Eindruck während des Vorstellungsgesprächs ihre Entscheidung, einen Kandidaten einzustellen am meisten beeinflusst. Für 41 % der Befragten sind die Soft Skills der wichtigste Faktor. Sie gaben an, dass ihre Entscheidung maßgeblich davon beeinflusst würde, wie ein Kandidat mit dem Rest des Teams übereinstimme“, sagt Hensgens.

Große Einigkeit herrscht, wenn es darum geht, ob es sinnvoll ist während des Bewerbungsprozesses eine Auswahlliste mit qualifizierten und geeigneten Kandidaten zu haben. Insgesamt gaben 89% der befragten KMU an, eine solche Liste als sinnvoll zu erachten. Für 37 % wäre sie sogar ein sehr nützliches Werkzeug. Kein Wunder also, wenn sich 87 % ein Tool wünschen, mit dem sie eine solche Auswahlliste erstellen können.

 

Über die Umfrage:

Die Studie wurde von Censuswide im Auftrag von Indeed durchgeführt. Im Zeitraum vom 21.01.19 bis 28.01.19 wurden in Deutschland 501 Arbeitnehmer befragt, die für die Einstellung von KMU (50-249 Beschäftigte) verantwortlich sind.