Inklusion im Recruiting: mehr Bewusstsein für Menschen mit Behinderung schaffen

Das Bild zeigt eine behinderte Frau im Rollstuhl, die am Arbeitsplatz ein Dokument liest.

Menschen mit Behinderung stellen mit etwa einer Milliarde Angehörigen und einem Anteil von 15 % der Weltbevölkerung weltweit die größte Minderheit dar. Diese Menschen haben häufig aufgrund von Vorurteilen und mangelndem Bewusstsein mit Arbeitslosigkeit und Hürden bei der Jobsuche zu kämpfen. Um dies zu ändern, gilt es, die Inklusion im Recruiting zu stärken.

In der heutigen Zeit des allgegenwärtigen Personalmangels wird überall nach neuen Mitarbeitern gesucht. Dabei werden auch Gruppen stärker berücksichtigt, die in der Vergangenheit oft übergangen wurden. Davon profitieren beide Seiten: Mehr Jobsuchende mit Behinderungen finden gute Jobs und die Arbeitgeber finden Zugang zu vielversprechenden Talenten.

Obwohl bei der Inklusion im Recruiting bereits Fortschritte gemacht wurden, gibt es immer noch Raum für Verbesserungen: Nur 46,9 % der erwerbsfähigen Erwachsenen mit Behinderung haben in Deutschland derzeit eine Festanstellung. Arbeitgeber sollten sich nicht nur Gedanken darüber machen, wie sie Vorurteile abbauen können, sondern auch konkrete Maßnahmen ergreifen. Wenn Sie mehr Bewusstsein für Menschen mit Behinderung im Recruiting schaffen, kann Ihr Unternehmen zur Barrierefreiheit und einer inklusiveren Unternehmenskultur beitragen.

Barrieren im Recruiting abbauen, um Jobsuchende zu überzeugen

In Deutschland leben drei Millionen Erwachsene im erwerbsfähigen Alter mit einer Behinderung. Es handelt sich also um einen großen Talentpool. Wenn Sie Jobsuchende mit Behinderungen überzeugen möchten, sollten Sie zunächst sicherstellen, dass Ihr Unternehmen die nötigen Standards für Barrierefreiheit erfüllt bzw. sogar übertrifft. Damit stellen Sie sicher, dass alle Verfahren, Prozesse und Gebäude für alle aktuellen und potenziellen neuen Mitarbeiter zugänglich sind. Haben Sie diese Basis geschaffen, sollten Sie in auch in Ihren Stellenbeschreibungen darauf hinweisen. 

Wenn Ihr Unternehmen mehr Menschen mit Behinderung einstellen möchte, sollten Sie Ihre derzeitigen Recruitingprozesse und Bewerbungsverfahren prüfen. Wenn Ihre Prozesse noch nicht barrierefrei sind, können Sie wie folgt vorgehen:
  1. Prüfen Sie zunächst Ihre Stellenbeschreibungen. Denken Sie genau darüber nach, bevor Sie unwichtige Anforderungen einfügen, die Bewerber mit bestimmten Behinderungen ausschließen könnten. Stellen Sie sich die folgende Frage: Welche Grundanforderungen muss jemand unbedingt erfüllen, um in dieser Position gute Arbeit zu leisten? Lassen Sie unnötige Voraussetzungen weg. Studien haben ergeben, dass viele qualifizierte Jobsuchende sich nicht bewerben, wenn sie das Gefühl haben, nicht alle erforderlichen Qualifikationen mitzubringen.
  2. Schauen Sie danach, ob die Karriereseite Ihres Unternehmens barrierefrei ist. Kann der Text für Talente mit Sehbehinderung von einem Screenreader vorgelesen werden? Gibt es Bildbeschreibungen? Falls die Seite Videos zum Unternehmen enthält: Gibt es Untertitel? Die Umsetzung dieser Maßnahmen für eine barrierefreie Bewerbung legen den Grundstein für mehr Inklusion im Recruiting.
  3. Vergewissern Sie sich anschließend, dass auch der anschließende Bewerbungsprozess, einschließlich Vorstellungsgespräche und Tests sowie Ihre Beurteilungsverfahren vollständig barrierefrei sind. Ein Bewerber kann nur fair beurteilt werden, wenn er die Möglichkeit hat, eine Aufgabe ohne Barrieren auszuführen. Beispielsweise benötigt jemand mit Sehbehinderung möglicherweise mehr Zeit für einen Test oder eine vergrößerte Kopie der Materialien. Vergessen Sie außerdem nicht, dass die Räume, in denen Vorstellungsgespräche und Tests stattfinden, barrierefrei zugänglich sein müssen. Vergewissern Sie sich, dass es ausreichend Platz für Rollstühle gibt und die Räume auch mit Aufzügen gut zu erreichen sind.

Diversity betrifft auch Menschen mit Behinderung

Die Gruppe der Menschen mit Behinderung ist sehr vielfältig. Da viele dieser Behinderungen auf den ersten Blick nicht direkt sichtbar sind, sollten wir uns bewusst machen, dass viel mehr Menschen eine Behinderung haben als wir annehmen. Häufig kann man am äußeren Erscheinungsbild einer Person nicht festmachen, ob diese eine Behinderung hat.

Viele der größten Unternehmen der Welt werden als behindertengerechte Arbeitgeber angesehen. Beispielsweise hat Microsoft mit verschiedenen Recruitinginitiativen gezeigt, dass das Unternehmen Wert auf die Inklusion im Recruiting legt, z. B. mit einem Programm für die Einstellung von Menschen mit Autismus (Autism Hiring Program), oder durch sogenannte Ability Hiring Events, bei denen Jobsuchende mit Behinderung mit speziellen Recruitingteams zusammengebracht wurden.

Eine andere Möglichkeit, Jobsuchende mit Behinderung zu überzeugen, besteht darin, für mehr Bewusstsein unter den Mitarbeitern zu sorgen. Mitarbeiterressourcengruppen (Employee Resource Group, ERG), können die Diversity unter den Mitarbeitern fördern und dabei auch Menschen mit Behinderung integrieren. Solche interne Organisationen tragen zur Steigerung des Bewusstseins für Menschen mit Behinderung bei und zeigen potenziellen Bewerbern, dass man sich in dem jeweiligen Unternehmen für Inklusion einsetzt.

Bei Indeed engagiert sich die von Mitarbeitern geleitete Ressourcengruppe Access Indeed für Inklusion und Weiterbildung sowie für eine Umgebung, in der alle Mitarbeiter mit den verschiedensten Fähigkeiten wachsen können. 

Von mehr Inklusion im Recruiting profitieren alle Beteiligten

Viele Anpassungen können Sie oft relativ einfach und zu geringen Kosten vornehmen und Sie sorgen damit dafür, dass potenzielle Kandidat*innen einen positiven Eindruck von Ihrem Unternehmen erhalten und Ihnen keine qualifizierten Talente entgehen. Wenn Sie sich für Inklusion engagieren und barrierefreie Optionen im Bewerbungsprozess anbieten, sollten Sie dies auch in Ihren Stellenbeschreibungen und auf Ihrer Karriereseite angeben.

Um noch einen Schritt weiter zu gehen, können Sie Recruitinginitiativen starten, die sich speziell an Jobsuchende mit Behinderung richten und somit dafür sorgen, dass Ihr Engagement aus der Masse der Unternehmen heraussticht. Am Ende profitieren alle Beteiligten davon, wenn Unternehmen barrierefreie Recruitingprozess schaffen und Talente mit Behinderung einstellen.