Gendern in Führungspositionen: Die DAX-30-CEOs im Social-Media-Check

Der Gebrauch von gendersensibler Sprache scheint in der ersten Liga der deutschen Wirtschaft angekommen zu sein. Denn wie eine aktuelle DAX-30-Analyse von Indeed aufzeigt, kommunizieren die Konzernchefs mehrheitlich geschlechtsneutral in der Öffentlichkeit – zumindest in den sozialen Netzwerken. Zu diesem Ergebnis führen über 441 untersuchten Social-Media-Postings von den 19 ausschließlich männlichen CEOs, die aktiv ihre Profile in sozialen Netzwerken bespielen.

Englische Beiträge führen zu besonders hohem Anteil gendergerechter Postings

Insgesamt kommen 96 Prozent aller Postings der DAX-30-CEOs ohne das generische Maskulinum aus und sind über verschiedene Varianten (wie Vermeidung, aktives Gendern) gendersensibel formuliert. Die genaue Betrachtung der einzelnen Beiträge aller 19 CEOs zeigt, wie die hohe Quote zustande kommt: Insgesamt sind 72 Prozent der Texte (318) auf Englisch verfasst und vermeiden damit zunächst unsensible Formulierungen in der deutschen Sprache.

Doch auch im Englischen ist das generische Maskulinum durch traditionell männliche Pronomen (he/him/his und weitere) häufig vertreten. Wie die Analyse jedoch aufzeigt, vermeiden die CEOs dies bei 100 Prozent ihrer englischen Beiträge. Meistens durch die Verwendung von Pluralformen (we, they, us), die alle Geschlechter mit einbeziehen, sofern dies möglich war. Hauptgrund für den hohen Anteil englischer Postings ist, dass die Konzernchefs weit über den deutschen Sprachraum hinaus ihre globalen Zielgruppen und Mitarbeitenden adressieren.

Deutsche Beiträge nicht immer gendersensibel

Bei den 123 analysierten Beiträgen in deutscher Sprache (28 Prozent von allen Postings) kommt die Analyse zu einem weniger eindeutigen Ergebnis: Insgesamt sind 87 Prozent der deutschsprachigen Texte gendersensibel formuliert. Dazu führt mit anteilig 55 Prozent vor allem die gezielte Vermeidung geschlechtsspezifischer Ansprache durch inklusive wie allgemeine Ausdrucksweisen (wir, Team, Menschen). Weitere 32 Prozent werden aktiv gendergerecht durch die Nutzung des Gender-Sternchens oder Binnen-Is und weiteren Optionen verfasst. In 13 Prozent der Texte wird hingegen  das generische Maskulinum genutzt.

In ihren gegenderten Beiträgen setzen die Geschäftsführer am häufigsten auf Formulierungen mit “und”. Insgesamt 49 Prozent der Beiträge (19) sprechen bspw. von “Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen”. Der Gender-Doppelpunkt ist mit 21 Prozent (acht) die zweithäufigste Formulierung. Dahinter folgt das Gender-Sternchen mit jeweils 15 Prozent (sechs).

Diese CEOs gendern am häufigsten

Die meisten gendersensiblen Formulierungen in den deutschen Beiträgen fanden sich bei Vonovia-Chef Rolf Buch mit insgesamt sieben Texten. Gleichzeitig weist er auch mit drei genderunsensiben Beiträgen die meisten des Vergleichs auf. Die zweitmeisten gendergerecht verfassten Postings in deutscher Sprache zählt die Untersuchung bei Frank Appel (Deutsche Post) und Michael Zahn (Deutsche Wohnen) mit jeweils sechs Texten. 

 

Im Vergleich der englischen sowie deutschen Beiträge weisen die Chefs von SAP, Delivery Hero und VW eine 100 prozentige Quote auf – mit bedingt durch die Tatsache, dass sie durchweg englische Beiträge verfassen. Covestro-Geschäftsführer Markus Steilemann, der hingegen die Hälfte seiner Texte auf Deutsch verfasst, kommt mit einer 95-prozentigen Quote ebenfalls auf einen sehr hohen Anteil. Auch die CEOs von Henkel, Carsten Knobel, sowie Fresenius Medical Care, Rice Powell, kommen ohne genderunsensible Beiträge aus. Allerdings sind sie seltener in den sozialen Netzwerken aktiv und weisen daher weniger Postings in der Analyse auf. 

 

Neben den 20 aktuellen Beiträgen der CEOs hat Indeed zudem auch analysiert, ob und wie die CEOs sich zum Weltfrauentag äußern. Das Fazit: Jeder der 19 Geschäftsführer hat mindestens einen Beitrag zum Weltfrauentag in gendersensibler Sprache verfasst.

Frank Hensgens, Managing Director Indeed DACH, kommentiert:

“Im Einsatz für ein diskriminierungsfreies Miteinander tragen Führungspersonen eine besondere Verantwortung. Erst Recht, wenn sie die erfolgreichsten Unternehmen des Landes leiten. Es ist daher sehr begrüßenswert, dass die DAX-30-CEOs  diesen Umgang vorleben und gendergerechte Formulierungen wählen. Das prägt nicht nur die öffentliche Wahrnehmung und die Arbeitgebermarke, sondern wirkt sich bestenfalls auch positiv auf eine Kultur der Vielfalt im Unternehmen aus.“

 

Bei Rückfragen zur Untersuchung wenden Sie sich bitte an indeed@tonka-pr.com