Bundestagswahl 2021: Jobs, Vornamen und Alter aller Kandidat*innen im Vergleich

Dass im Deutschen Bundestag Akademiker*innen wie bspw. Juristinnen oder Ökonomen überrepräsentiert sind, ist ein offenes Geheimnis und wurde in den vergangenen Jahren häufig kritisiert. Ob sich dies im künftigen Bundestag ändern könnte, haben wir jetzt analysiert. Dafür werteten unsere Datenspezialisten die angegebenen, aktuellen Berufe und Bildungsabschlüsse sowie Stände (wie Studierende oder Rentner) aller 6.211 Wahlbewerberinnen und -bewerber auf der Webseite des Bundeswahlleiters aus. Eine Analyse der Vornamen lässt zudem Rückschlüsse auf die Vielfalt innerhalb Kandidaturen zu, die zehn häufigsten Namen werden nämlich ausschließlich von tradierten männlichen Vornamen belegt.

 

Juristen bei Männern an der Spitze, Krankenpflegerin bei Frauen in der Top Ten

Im Jobvergleich zeigt die Analyse, dass Juristen wahrscheinlich auch im zukünftigen Bundestag zahlreich vertreten sein werden, vor allem unter den männlichen Abgeordneten: Insgesamt 128 Kandidaten üben diesen Beruf derzeit aus – höchster Wert dieses Vergleichs. Auf Platz zwei rangieren 118 Politiker, die als Angestellte tätig sind. Rang drei belegen Unternehmer (74), dicht gefolgt von Geschäftsführern (72). Neben weiteren erwartbaren Berufen wie Lehrer oder Kaufmann sind auch Softwareentwickler mit 46 Kandidaten (Platz sieben) überraschenderweise unter den zehn häufigsten Berufen der männlichen Wahlbewerber vertreten.

Bei den Kandidatinnen führen Angestellte mit 54 Vertreterinnen die Top Ten des Berufsvergleichs an, dahinter liegen Lehrerin (50) und Juristin (49). Auf Rang vier finden sich zudem 30 zur Wahl stehende Krankenpflegerinnen, deren schlechte Arbeitsbedingungen besonders im Zuge der Pandemie immer wieder thematisiert wurden. 

Eine etwas verblüffende wie überholte Klassifizierung findet sich zudem bei 17 Kandidatinnen, die Hausfrau als Beruf bzw. Stand im Bundeswahlleiter zu stehen haben. Mit Blick auf die zehn häufigsten Berufe sind demnach mehr Frauen im Haushalt tätig als bspw. als Beamtin (15, Rang zehn). 

Studierende treten am häufigsten zur Wahl an, aber auch viele Rentner

Neben den diversen beruflich aktiven Kandidaten*innen finden sich unter den 6.211 Personen auch viele mit Angaben wie bspw. Student oder Studentin.  Im bundesweiten ist diese Gruppe mit insgesamt 386 Vertreter*innen mit Abstand am häufigsten unter den Kandidaten und Kandidatinnen vertreten und macht sie über sechs Prozent aller Kandidaturen in Deutschland aus. Die meisten Studenten und Studentinnen stellen die GRÜNE sowie DIE PARTEI mit jeweils 55 Personen auf. Dahinter folgen Volt (47), DIE LINKE (36) sowie die FDP (26). CDU wie SPD belegen mit 14 Personen den neunten Rang. 

Neben den vielen Studierenden treten auch insgesamt 153 Rentner*innen zur Wahl an, die immerhin rund 2,5 Prozent aller Kandidaturen ausmachen. Im Parteienvergleich sind die meisten Rentner*innen bei den kommunistischen Parteien der DKP (26) sowie MLPD (18). Bei der NPD treten mit zwölf Personen die drittmeisten Personen in Rente zur Wahl an.

Systemrelevante Berufe sind häufiger vertreten

Im Zuge der Corona-Krise wurde der Mangel an Expertise in sog. systemrelevanten Berufen im Bundestag deutlich kritisiert. Wie die Analyse aufzeigt, haben die Wählerinnen und Wähler zur Bundestagswahl die Gelegenheit, dies zu ändern. Unter den Kandidaturen finden sich etliche Personen mit diesen beruflichen Qualifikationen auf den Landeslisten und Wahlkreisen. So finden sich Lehrerinnen (50) und Lehrer (51), Ärzte (41) und Ärztinnen (21) sowie Krankenpflegerinnen (28) und Erzieherinnen (25) unter den Top Ten der häufigsten Berufe bei den männlichen und weiblichen Kandidaten.

Die ältesten Kandidaturen 

Neben den beruflichen Hintergründen weist der Bundeswahlleiter auch die Geburtsjahre aller 6.211 Kandidatinnen und Kandidaten aus. Der Berechnung von Indeed zufolge liegt das Durchschnittsalter aller wählbaren Personen bei rund 43 Jahren. Entsprechend ihres hohen Renter-Aufkommens schicken die MLPD sowie die DKP mit einem Altersdurchschnitt von 61 bzw. 60 Jahren die ältesten Politiker*innen ins Rennen. Die jüngsten Bewerberinnen und Bewerber fährt hingegen Volt auf mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren. Bei den Parteien der Regierungsanwärter*innen stellt die GRÜNE mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren die jüngsten Personen. Bei der SPD beträgt der Schnitt 44 Jahre, bei der CDU 46.

 

Frank Hensgens, Geschäftsführer Indeed Deutschland, kommentiert: 

Die vielschichtige berufliche Expertise bei den Kandidatinnen und Kandidaten für die Bundestagswahl ist ausgesprochen erfreulich. Es kann nur von Vorteil sein, wenn Erfahrungswerte aus den verschiedensten Berufen im neuen Bundestag versammelt werden. Ich bin gespannt, ob die Wählerinnen und Wähler diese Überlegung in ihre Wahlentscheidungen mit einfließen lassen. Hinsichtlich der Vielfalt in Sachen Geschlecht und Herkunft gibt es allerdings noch großen Nachholbedarf. Wie in der Wirtschaft bewerben sich in der Politik offensichtlich vornehmlich Männer mit vergleichsweise homogenem Hintergrund um die Spitzenämter. Da wäre eine deutlich größere Vielfalt wünschenswert. Denn auch in der Politik gilt: Diversity sorgt für bessere Ergebnisse, mehr Kreativität und Innovationen! Und all das brauchen wir dringend angesichts der anstehenden Herausforderungen in der nächsten Legislaturperiode.”

Das ist die Verteilung der Kandidaturen zur Wahl

Zur Bundestagswahl am 26. September 2021 treten insgesamt 6.211 Wahlbewerberinnen und -bewerber, darunter 2.024 Frauen an. Davon bewerben sich 1.284 Personen nur in einem Wahlkreis sowie 2.851 Kandidatinnen und Kandidaten ausschließlich auf einer Landesliste. 2.076 Personen kandidieren sowohl in einem Wahlkreis als auch auf einer Landesliste.